Wiesbaden

Ins Museum, ins Paradies!

Museum-Wiesbaden_Plakat

INFO: Das Museum ist im November 2020 leider geschlossen.

Kurz vor dem erneuten Lockdown wegen Corona eröffnete das Museum Wiesbaden eine farbenfrohe Ausstellung mit Titel Paradies und es ist fast wie im Paradies, das liegt nicht nur am Titel der aktuellen Ausstellung: Paradies? Paradies! mit Bildern von August Macke, sondern an der Farbigkeit und den Bildthemen.

Die Ausstellung Paradies? Paradies! entführt uns im Museum Wiesbaden in farbenfrohe, paradisische Zustände. Denn, bunt ist das Leben farbiger. Vor genau 100 Jahren, also 1920, hatte der Künstler bereits eine große Ausstellung in Wiesbaden und anlässlich dessen zeigt das Museum Wiesbaden erneut einige seiner Werke.

Man glaubt es kaum, aber vor 100 Jahren war Wiesbaden Avantgarde, hier war der Puls der Zeit zu spüren und Ausstellungen kamen direkt von Frankfurt auch hier an, erzählte Dr. Roman Ziglgänsberger in der Eröffnungsrede. Das Museum Wiesbaden präsentiert in enger Kooperation mit dem Kunstmuseum Bonn den Künstler August Macke in all seiner Vielfältigkeit.

August Macke

August Macke, einer der bedeutendsten deutschen Expressionisten am Beginn des 20. Jahrhunderts, brachte die Natur so farbenprächtig und lebendig auf die Leinwand. Leider musste er schon früh sterben, denn er ist 1914 im Ersten Weltkrieg mit gerade einmal 27 Jahren gefallen. Nach dem Krieg organisierte seine Frau Elisabeth dann, um dem schnellen Vergessen entgegenzuwirken, aus dem Nachlass des Künstlers eine „August Macke Gedächtnis-Ausstellung“ mit über 160 Werken. Teilweise hängen genau diese Werke nun wieder im Museum und das ist schon ein tolles Gefühl und nicht minder beeindruckend sind die Werke.

Museum Wiesbaden

Dr. Ziegelgänsberger vom Museum Wiesbaden hat einen Katalog zur Ausstellung herausgegeben, der auch im Museumshop erhältlich ist (Tipp: 5€ günstiger als im Handel). Wegen Corona hat man sich zudem für eine kostenlose App zur Ausstellung entschieden, die man für sein Handy im App-Center runterladen kann, klasse.

Farbe gegen Trübsaal

In der Ausstellung wird August Mackes stilistische Entwicklung gut nachvollziehbar: Ausgehend vom impulsiven Impressionismus eines Lovis Corinth, der kurzzeitig in Berlin sein Lehrer war, trug er durch seine Begegnung mit dem Fauvismus und Futurismus in Paris (Henri Matisse, Robert Delaunay) und die Zugehörigkeit zur 1911 in München gegründeten Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ um Wassily Kandinsky und Franz Marc einen entscheidenden Beitrag zum künstlerischen Aufbruch nach der Jahrhundertwende bei. 1910 kehrt er vom Tegernsee, wo er im Umland Münchens lebte, zurück nach Bonn.

Dort entfaltete er aufgrund seiner mannigfaltigen Erfahrungen und seinem intuitiven Gespür für Farben große Wirkung auf die hiesige Kunstszene, etwa als Initiator der „Ausstellung Rheinischer Expressionismus“ im Jahr 1913. Nur ein Jahr zuvor hatte ihm die für die Entwicklung der Avantgarde bedeutende Galerie Thannhauser in München die erste Einzelausstellung ausgerichtet.

August-Macke-Badende

Die Wiesbadener Ausstellung beleuchtet anhand sorgfältig ausgewählter Beispiele alle Schaffensphasen August Mackes. Darüber hinaus werden zudem die Medien vorgestellt, in welchen der Künstler tätig war — vom Gemälde über die Zeichnung zur Druckgrafik bis hin zu den atmosphärischen Aquarellen, die vom Thuner See in der Schweiz stammen oder während der berühmten Reise mit Paul Klee und Louis Moilliet im afrikanisch-orientalischen Tunis (April 1914) entstanden waren. Seine bildkünstlerischen Gattungen waren durch und durch klassischer Natur: Landschaft, Stillleben und Porträt.

Ein besonderes Augenmerk der Werkschau liegt auf dem positivistischen Menschenbild des Künstlers, das sich nicht nur in seiner Aktkunst offenbart, sondern auch und gerade in seinen vielen Darstellungen des Menschen in der Natur oder dem modischen Flaneur, der sich in den Schaufenstern der Großstadt prismatisch gebrochen schillernd spiegelt. Beschlossen wird die 80 Werke umfassende Retrospektive mit Beispielen seiner abstrakten Kunst und angewandten Entwürfen sowie Arbeiten der Maler, die er von Bonn aus im Rheinland — darunter etwa Heinrich Campendonk oder Heinrich Nauen — inspirierte.

All seine Werke ließen diesen Ausnahmekünstler letztlich, obwohl ihm nur zehn Jahre zur Entfaltung blieben, zu einer eigenständigen Stimme im Orchester der Maler werden, die mit aller Macht und dennoch (hier hebt er sich von den anderen Avantgardekünstlern seiner Zeit ab) auf harmonische Art und Weise die Konventionen des ausgehenden 19. Jahrhundert überwinden wollten. Schon krass, dass er mit gerade mal 27 Jahren sterben musste, damals, im Ersten Weltkrieg. Auch ein Bild aus Kriegszeiten zeigt das Museum, trotz der Farbigkeit ein sehr bedrückender Eindruck.

Sehr schade, dass dieser wunderbare Künstler keine Zeit hatte, uns noch mehr von seiner farbenfrohen Sicht der Dinge zu schenken.

ugust-Macke im ersten Weltkrieg

Info: An jedem ersten Samstag im Monat ist frei-Tag, also FREIER Eintritt im Museum.

Kurzum: Verleg Deinen Spaziergang ins Museum. Lass Dich begeistern von den Farben, der Leichtigkeit des Seins, den schönen Frauen im Park, weil das Leben kann auch richtig schön sein, paradiesisch.

Tipp: Der Ausstellungskatalog kostet im Museumsshop 5 € weniger als draußen. Im Shop ist auch das Buch „Glücksorte in Wiesbaden erhältlich, denn der Ort mitsamt des Café ist ein Glücksort.

Museum Wiesbaden . Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden, Fon 0611 ⁄ 335 2250

August Macke . Paradies! Paradies? 30. Oktober 20 bis 14. Februar 2021
Museum-Wiesbaden Vorderansicht mit Goethe Statue Eingang Säulen