Leben

Abmahn Abzocke

Affiliate-Link, Abmahnung – die Terminologie in der Bloggerwelt. Oh ja, Affiliate-Links gibt’s viele zu klicken, es gibt leider nur ein paar wenige Blogs, die schaffen eine angenehme Mischung, trotz dieser Affiliate-Links. Der Blog Stepanini als Beispiel, sie spendet sogar 20% der Einnahmen an Ärzte ohne Grenzen. Respekt! Bei Farbenfreundin gab’s auch schon mal Werbung. Banner für H&M oder Esprit, aber die flogen schnell wieder raus. Da ich beim PC einen Pop-Up-Blocker installiert habe, kann ich doch nicht selbst Banner-Werbung schalten. Das wäre doch schizophren. Also weg damit. Ich schreibe nur Sachen, die mich persönlich bewegen, interessieren oder die mir gefallen und manchmal lösche ich dann auch einfach – wie es mir eben gefällt. Tipps für Freunde eben. Gern geschehen.

Affiliate Marketing

Ganz ehrlich, mir nimmt das derzeit etwas überhand mit der Werbung und den „sponsored posts“ auf den Blogs. Auch die Diskussionen auf den Blogger-Treffs über „no-follow“ oder Affiliate oder Kooperation und wie sich einige Blogs dann in den Beiträgen immer mehr annähern. Plötzlich schwärmen zig Blogger von der gleichen Anti-Aging Methode oder einem Fitnessband. Ah ja, ich hatte das Sternchen, die Fußnote übersehen: Affiliate-Link, Sponsoring, Werbung. Ach, na klar. Alles klar!

Einerseits mag keiner die Werbepausen im Fernsehen, beim Bloggern stört es uns aber offensichtlich nicht. Naja, es muss gut gemacht sein und der Zielgruppe gefallen. Ach, da fällt mir die folgende Geschichte ein: Eine Bloggerin erfährt einen Shitstorm bei Instagram. Nicht wegen der doch recht auffälligen Werbung für eine hübsche Armbanduhr (sponsored post), sondern weil man auf dem Foto ihre Armbehaarung sieht (tja, …was soll man sagen). Schräge Welt!

Abmahnung

Ein häufiges Thema sind auch Abmahnungen wegen Missbrauch von Bildrechten. Gefühlt sind wir ja heutzutage alle Profi-Fotografen. Noch nie waren so viele Fotos wie heute im Umlauf. Das Internet in Zahlen – es lohnt sich dort einmal rein zu klicken – zeigt einem, was die digitale Welt ausmacht. Hier ein Auszug zu Bilddaten:

7 Petabyte – Soviel Foto-Content wird auf Facebook jeden Monat hinzugefügt
300 Millionen – Anzahl neuer Fotos, die täglich auf Facebook hochgeladen werden
5 Milliarden – Anzahl der Fotos, die seit dem Start von Instagram hochgeladen wurden
58 – Anzahl der Fotos, die pro Sekunde bei Instagram hochgeladen werden

Jedes einzelne Foto ist ein urheberrechtlich geschütztes Original. Der Handyshot, das Selfi… als hätte es Helmut Newton geknipst und nicht Lieschen Müller aus Backnang. Das ist in etwa so, als würde ich bei jedem gekritzelten Notizzettel auf mein Urheberrecht beharren. Da lacht ja die ganze Republik! Nein, es lacht leider keiner, sondern, jeder droht mit dem Anwalt.

Bildrechte

Zum Beispiel obiges Blumenbild, das ist ja sowas von einem Original! Ein Bild mit gelber Blume. Das ist jetzt urheberrechtlich geschützt. Schwamm drüber, dass das jetzt nicht die bombige Qualität hat und der Inhalt auch irgendwie Pustekuchen ist. Darum geht es nicht. Es geht um Recht und um Ordnung und Besitz und so halt. Der Blogger und die Bildrechte. Man streitet sich und holt sich Rat und jede Partei verdient daran ihren Salär. Kein Wunder, dass die Gerichte dann für die wirklich wichtigen Dinge keine Zeit mehr haben.

Seit das Internet (also auch copy/paste) unsere Gesellschaft verändert, ist ein Foto nicht mehr ein Foto, sondern eine Datei aus Pixeln und Punken und MB. Diese Datei ist ohne Qualitätsverlust beliebig zu vervielfältigen, kann kopiert und wiederverwendet werden. Früher, als man in der Fotografie noch mit Diapositiven und Dunkelkammer gearbeitet hat, war das wahrlich nicht so einfach. Da musste man den Urheber fragen, ob man mal das Diapositiv zugeschickt bekommen könnte, weil man gerne einen Abdruck in der Zeitschrift davon machen möchte. Ich weiß das, weil ich für einen Pressefotografen gearbeitet habe. Jaja, das waren noch Zeiten.

Urheberrecht

Heute – copy/paste. Basta. Merkt doch kein Mensch. Oder doch? Google is watching you! Es gibt verschiedene Software mit der man anhand der Bilddaten die Welt des Internet absuchen kann, um verwendete Bilder zu finden und ggf. Anklage wegen Urheberrechtsverletzung zu erheben.

Abmahnungen werden verschickt ohne Ende. Auch ich hatte eines Tages ein solches Schreiben im Briefkasten. Schreiben von Anwalt Eugen Klein (haha, kein Witz! Gleicher Nachname. Kein Verwander!) Die Kanzlei: ActiveLaw. Zum Glück gibt es Internet, denn schnell hatte ich den Namesvetter recherchiert und mich schlau gemacht.

Was war passiert? Nun ja, ich bin manchmal ein Schussel. Unterwegs beim Bilderhochladen einen Test gefahren und es dann nicht wieder gelöscht. Das Bild war im Archiv meines Blogs verschwunden und vergessen. Copy/paste. Und das, obwohl ich selbst Terrabyte große Bilder-Archive habe: Mode, Blumen, Landschaften, Portraits…. Wie gesagt, manchmal bin ich ein Schussel. Ich hatte das besagte fremde Foto schon lange im Archiv vergessen, die Software hatte mich aber schnell ausfindig gemacht. Und dann wollte man Knete sehen.

Eugen Klein ist nicht KLEINlich. Für seinen Mandanten Lochstampfer, der Urheber des Fotos mit ähnlichem Motiv wie oben, sollte ich fast 1000 Euro bezahlen. Ein Bild mit einer Blume, das gibt es bei Fotolia oder anderen Anbietern für wenige Cent. Wie viel würdet ihr denn für das obige Foto bezahlen? Deshalb also könnte man meinen, sowas sei günstig zu kriegen. Ja, könnte man meinen. Aber es geht ja hier nicht um den gesunden Menschenverstand, sondern um das Urheberschutzgesetz.

Naja, in der digitalen Welt ist man mit copy/paste eben manchmal zu schnell unterwegs. Gut, seh ich ein. Fehler gemacht. Ich hätte vorher fragen sollen. Komisch aber, dass manche Urheber die Fotos so stark präsentiert und bei der Google Bildersuche auf oberstem Rang gelistet sind (auch dafür gibt es Tools… und man kann es auch ganz einfach unterbinden, mit einer kleinen Programmierung). Aber klar, das will man ja dann auch wieder nicht (weil, es ist doch schön, ein bisschen damit dazu verdienen… inzwischen verstehe ich die Branche!). Wie gesagt, ich bin ein Schussel und ich bin in die Falle getappt. Keine Ausrede, klaro. Deshalb kann man dann auch einen angemessenen Preis bezahlen. Angemessen, wohlgemerkt.

Abmahn-Abzocke

Hat man solchen Mist gebaut und erhält eine Abmahnung, unterschreibt man eine Unterlassungserklärung (ohne Festlegung auf eventuelle finanzielle Ansprüche) und nimmt schleunigst das besagte Objekt offline. Das wäre die angemessene Art und Weise damit umzugehen. Doch die Branche funktioniert nicht nach dem gesunden Menschenverstand, denn es will ja verdient werden – auf beiden Seiten. Die Klägerseite sowieso, aber genauso auf der Gegenseite. Es gibt unzählige Anwaltskanzleien, Buchautoren, Rechtsberater, Blogger-Zirkel, die sich auf das Thema „Blogger und Bildrechte“ spezialisiert haben und ja, daran verdienen wollen. YouTube ist voll von Werbefilmen von „engagierten Anwälten“ und Ratgeber werden verkauft . Bei dreien machte ich einen Testanfrage und die Antwort lautete bei allen: „Ja, wir helfen Ihnen gerne aus der Patsche. In Ihrem Fall würde das erste Schreiben etwa 450 Euro kosten und ganz ohne Strafe werden sie nicht davon kommen. Jedes weitere Schreiben kostet natürlich mehr.“

Im Ernstfall hätte das für mich bedeutet:
Strafe für Bildverwendung zahlen: Mindestens 800 Euro
Rechtsanwalt der Gegenseite bezahlen: ca. 500 Euro
eigenen Rechtsanwalt (siehe oben)  ab 400 bis 2000 Euro oder mehr

Für copy/paste, für ein Bild siehe oben. Hm. Alle haben damit gut verdient  – nur der Dumme – nämlich der Blogger – bezahlt. Für einen Schnappschuss? Für ein 08/15 Foto? Weder Porno noch Kunst? Da stellen sich den wirklich guten Anwälten die Nackenhaare (ich arbeite für einen, deshalb weiß ich das). Durch sperrige Gesetze werden nicht die Künstler geschützt, sondern eine Parallelwirtschaft geschaffen: Die Abmahnindustrie. Nach meiner Recherche konnte ich nur noch den Kopf schütteln.Das Internet macht’s möglich! Im Guten wie im Schlechten.

Ende gut alles gut

In meinem Fall ging der Fall vor Gericht. Hätte ich einen dieser Blogger-Anwälte beauftragt, hätte der erneut seine Hand aufgehalten. Klar, nur so funktioniert die Branche. Beide Seiten wollen verdienen und das Gericht will auch noch bezahlt werden. Aber, ich bin clever und ich bin stur und ich habe Unterstützung. Schlussendlich bezahlte ich dann inklusive Porto & Kopierkosten etwa 50 Euro, weil – es war nun einmal nur ein Fehler passiert und dazu ein, naja, sagen wir Blümchen-Foto. Gut, dass ich nicht auf die bekannten Blogger-Anwälte gehört habe. Gut, dass ich nicht reumütig die fast Tausend Euro bezahlt habe. Gut, dass das Urheberrecht offensichtlich doch mit gesundem Menschenverstand angewendet wird. Manchmal zumindest. Mehr dazu auch hier:www.recht-eigenartig.de.

Fair Use

In den USA gibt es den Passus des „Fair Use“, ein „aufgeweichtes“ Urheberrecht, das etwas zeitgemäßer als das in Deutschland geltende Recht ist. Damit kann dann auch die Kunst umgehen: Der US-amerikanische Künstler Richard Prince verarbeitet Instagram-Fotos – und verkauft sie für 90.000 Dollar. Appropriation Art heißt so etwas. Sowieso, auch die Süddeutsche Zeitung schrieb kürzlich “Andy Wahrhol hätte sich die Haare gerauft“, denn seine Kunst (hier der Link zum Artikel) hätte kaum funktioniert, wenn ständig einer die „Urheberrechts-Keule“ in Form einer Abmahnung geschwungen hätte. Die Tomatendose? Urheberrecht. Warhols Marilyn Fotos? Urheberrecht…

Meins ist das nicht

Die Moral von der G´schicht? Obach! Copy/paste ist schnell gemacht, aber genauso schnell findet Dich der Urheber des Fotos, des Textes, des Films etc. pp. Tue nichts, was du nicht öffentlich gute Gewissens vertreten kannst, denn stehst du einmal im Internet, stehst du da ewig. Sollte dann doch mal etwas schief geht, nicht gleich bezahlen, denn die Forderungen sind immer erst einmal zu hoch und weitestgehend unrealistisch. Und nochmal: Das ist alles nicht meins. Merkwürdige Welt!

Das digitale Zeitalter braucht ein neues Urheberrecht, sagt auch Geschäftsführer Alexander Sander vom Verein Digitale Gesellschaft: „Trotz vereinzelter guter Ansätze sei die Chance verpasst worden, „das vollkommen veraltete EU-Urheberrecht an die Nutzungsgewohnheiten und Herausforderungen des digitalen Zeitalters“ anzupassen…“.(siehe auch Süddeutsche Zeitung oder http://www.sueddeutsche.de/digital/urheberrecht-die-doppelmoral-der-netzgemeinde-1.2572984)