Leben

Tierisches von Paul Klee

Paul Klee Ausstellung in Ingelheim

Kennst Du Ingelheim? Kennst Du das alte Rathaus in Ingelheim? Die Ausstellungen sind immer ganz besonders sehenswert. Von 5. September bis 8. November 2020 gab es eine Ausstellung mit Werken von Paul Klee in Ingelheim im Rahmen der „Internationalen Tage“, mit Unterstützung von der Firma Boehringer. Inzwischen sind die Ausstellung im Rahmen der „Internationale Tage“ eine Institution und jedes Jahr bin ich neu gespannt, welcher Künstler gezeigt wird. In Corona-Zeiten ist es kein einfaches Unterfangen, eine Ausstellung der Öffentlichkeit zu zeigen und dabei die vielen Hygiene-Vorschriften zu berücksichtigen. Daher bin ich sehr dankbar, dass die Ausstellung trotzdem realisiert wurde und nun die Tore öffnete – sogar for free für Besucher bis zum Alter von 16 Jahren!

Paul Klee kenne ich im Zusammenhang mit August Macke, denn mit ihm war er in Tunesien auf Reisen, später dann, wurde er nach einigen Ausstellungen in Berlin zur Kultfigur der jungen Kunst in Deutschland. 1921 nahm er seine Lehrtätigkeit am Bauhaus in Weimar auf. Walter Gropius hatte ihn berufen. 1924 dann die erste Einzelausstellung in New York und er ist einer von „Die Blaue Vier“, einer Künstlergruppe mit Kandinsky, Jawlensky, Lyonel Feininger, damals von der Galeristin Galka Schreyer gegründet. Später lernt er bei Gruppenausstellungen auch Miró und Picasso kennen. 1933 wird der Druck durch die Nationalsozialisten immer stärker, etwas später wird seine Kunst als „entartet“ diffamiert. Klar, das er Deutschland den Rücken kehrt und in seine Heimat Schweiz zurück geht. Spter erkrankt Paul Klee schwer und stirbt 1940 im Alter von 60 Jahren.

Die Ausstellung zeigt Zeichnungen und Radierungen von Tieren unter dem Titel Tierisches“ aus seinem Nachlass, die so noch nie vorher in Deutschland zu sehen waren.

Zeichnungen und Radierungen von Paul Klee

Im Werk von Paul Klee (1879 – 1940) spielt die Darstellung von Tieren eine besondere Rolle. Mit großer Freude an der Zeichnung und mit hintergründigem Humor erforscht der Künstler die Grenzen zwischen der Vermenschlichung der Tiere und der „Vertierung“ des Menschen. Die Tierdarstellungen bewegen sich zwischen der Erkundung der Natur und der Erschaffung neuer geheimnisvoller Kreaturen. Mit humorvollen Kommentaren zum vielschichtigen Verhältnis von Mensch und Tier lässt sich Klee durch die unerschöpfliche Formenvielfalt der Natur anregen.

In seinen spontanen, von kurvigen oder eckigen Linien bestimmten Zeichnungen sind immer wieder neue Bezüge und ironische Hinweise auf das Zusammenspiel von Menschen, Tieren und Mischwesen zu entdecken. Klees oft poetische bis satirische Bildtitel fördern zudem den Spaß für Erwachsene und Kinder gleichermaßen jedes einzelne Wesen aufzuspüren:

Da heißt ein Bild schonmal „von Noa zurück gelassen“ – und man weiß nicht, ob das nun zynisch oder lustig ist (gemeint ist die Arche Noah). Auch bei „feiger Hund“ bleibt es unklar, wer von den zwei gezeigten Tieren der Gemeinte ist.

Er liebte Katzen und verehrte außerdem Fische und Vögel. Das könnte also auch ein Thema für Kinder sein und auch deshalb sind die Exponate in der Ausstellung ein kleines bisschen tiefer gehängt als sonst – macht nichts, denn wir können uns ja alle bücken, wenn wir es genauer lesen wollen.

Mit seinen zutiefst menschlichen Tieren und vertierten Menschen hinterfragt Paul Klee unser Verständnis zueinander und schafft eine irritierende, bisweilen ironische Distanz, deren Betrachtung oft schmunzeln lässt.

Paul Klee Ausstellung Ingelheim

Urchs kommt von urig

Auch die Erfindung einer neuen Tierart, dem URCHS, steht in diesem Kontext. Das Urchs ist ein von Paul Klee erfundenes, archaisches Wesen. Nach einem (Kranken-) Besuch von Picasso Ende 1937 bei ihm in Bern sind vielen Urchs-Zeichnungen entstanden. Laut Begleitheft mit Texten von Myriam Dössegger und Ulrich Luckhardt sind sie ein „menschenähnlicher Gegenentwurf zu den kraftstrozenden Monotauren und Stieren des Spaniers“ (also der Künstler Picasso).

Zu der Ingelheimer Ausstellung der Internationalen Tage erscheint ein umfangreicher Katalog im Hirmer Verlag, München. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Zentrum Paul Klee, Bern.

Die 61. Ausstellung der Internationalen Tage Ingelheim war für das Frühjahr 2020 angekündigt, aufgrund der Covid 19-Pandemie musste sie verschoben werden und ist nun vom 5. September bis 8. November 2020 zu sehen.

Danke an Artefakt für die Einladung zum Preview – es war mir eine große Freude! Zusammen mit Ulrich Luckhardt und Myriam Dösseggerdurfte ich die Ausstellung im Vorfeld anschauen.

Paul Klee. Tierisches
05.09. – 08.11.2020
Kunstforum Ingelheim – Altes Rathaus
François-Lachenal-Platz 1, 55218 Ingelheim am Rhein

www.internationale-tage.de