Genuss
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Rotweinliebe auf Französisch

Mathilde Chaputier Selection 2016

Gute Weine werden oft handverlesen. Sorgfältig wird jede Traube per Hand von der Rebe geschnitten und landet dann im Bottich. Bis dann ein guter Rotwein aus den dunklen, süßen Trauben entsteht, ist noch viel Handarbeit nötig. Wahrscheinlich auch bei meinem Lieblingswein, den ich Dir heute vorstellen möchte: Ein Roter aus Languedoc.

Als junge Frau, gerade mal volljährig, half ich bei der Weinernte in der Bourgogne und tauchte damals fasziniert in die französische Welt des Genuss ein. Es war eine Woche sehr harter Arbeit, doch in der Erinnerung blieb die wunderbare Küche und die Lebenskunst der Franzosen. Wenn wir damals zur Mittagspause aus dem Weinberg kamen, oft mit viel Schlamm an den Füßen, vielleicht regennassen Klamotten und dazu Rückenschmerzen, dann standen die Küchenhilfen im Hof parat und überreichten uns den Apperitiv. Ein Glas Champagner oder, wer möchte, einen Kir Royal. Die Franzosen! In der etwa zwei Stunden dauernden Mittagspause wurde so manch gute Flasche entkorkt und die Kenner fachsimpelten, ob der Wein aus zum Beispiel 1983 nun nach Marienkäfern schmeckt, weil man damals eine Plage hatte oder was auch immer. Wein-machen ist schon eine Kunst!

Inzwischen lebe ich im Rheingau und liebe die schönen Weinberge und klar, der Riesling im Keller geht bei mir nie aus. Doch muss es immer Riesling sein? Es gibt auch noch andere gute Weinanbaugebiete und gerade bei den Rotweinen sind mir die Weine aus Südeuropa oft lieber. Obwohl es durchaus sehr gute deutsche Rotweine gibt, die den Vergleich mit einem Burgunder aufnehmen können.

Weine aus der Region Côtes du Rhône

Als ich dann kürzlich bei einer Verkostung Weine aus der Region Côtes du Rhône probierte, spürte ich sie wieder, die Lust auf Frankreich, auf das elegante Savoir Vivre und die wärmende mediterrane Sonne, hach. J’aime la France!

Die Trauben in Südfrankreich tanken Sonne satt. Über Wochen hat es tagsüber 40 Grad und die Steine in den Weinbergen geben diese gespeicherte Wärme noch lange an die Erde ab und die Reben profitieren davon. Das scheint man zu spüren, denn es ist viel Wärme in den Weinen. Da seit jeher dort Wein angebaut wird und die Weinanbauregion einfach weltweit bekannt ist und man gut im Geschäft ist, sind diese feinen Weine oft gar nicht so teuer. Tatsächlich kenne ich einige um die 10 Euro, die wirklich fein sind.

Rotwein aus Südfrankreich

Ein für mich perfekter Rotwein ist trocken und gleichzeitig weich. Eine sanfte Wärme soll mich einfangen, dazu sollte der Wein nicht zu kräftig sein, denn das haut mich schnell um. Barrique und schwere Rotweine sind demnach nichts für mich.

Tatsächlich habe ich jetzt einen solchen Wein entdeckt und der begleitete mich diesen Winter. Denn ja, im Winter liebe ich es, am Abend auch mal statt Tee einen wärmenden Rotwein zu trinken. Erst wenn die Außentemperaturen wieder um die 18 Grad sind, darf es auch mal wieder ein trockener Riesling sein.

Languedoc – da geht die Sonne auf

Languedoc – so heißt das Anbaugebiet in Frankreich, wo mein Lieblingswein wächst und gedeiht. Das Gebiet Languedoc-Roussillon bzw. Languedoc liegt ganz im Süden von Frankreich, zwischen der Provence und den Pyrenäen und der spanischen Grenze. Die Region ist ein bedeutendes Weinbaugebiet. Die ist Regionshauptstadt Montpellier – auch in der Ecke war ich als Twen immer mal gerne. Dort, wo man schon das Mittelmeer spürt und die Hitze der Sonne im Sommer fast unerträglich wird, so dass man den Schatten sucht, bis es dann wieder gen Abend lauschig wird und man noch ewig unter einem Sternenhimmel sitzen kann.

Dieser Rotwein ist aus dem Jahr 2016. Das war für Südfrankreich ein fulminantes Erntejahr. Das merkt man dem Wein an. Übrigens, das Weingut bewirtschaftet einen Großteil der Flächen nachhaltig und wurde 1999 mit einem Bio-Zertifikat von Demeter zertifiziert. Nicht für meinen Lieblingswein, aber das kann ja noch kommen. Mathilde Chapoutier. Sélection – so heißt mein Favorit in diesem Jahr. Dieser Rotwein hat ein schön beeriges Fruchtbuquet und trotzdem wenig Restsüße. Ein Roter, der fast hell und lichtdurchlässig ist und dabei trotzdem so trocken. Dabei eine feine Leichtigkeit, die einen einhüllt, wie eine Sommernacht im Juli.

Der Weinexperte Parker drückt das so aus: „… the 2016 Languedoc is loaded with notions of black and blue fruits, peppery herbs, violets and licorice…“ Ebent, sag ich doch.

Mathilde Chaputier 2016

Dieser Rotwein passt zu Fleisch

Dieser französische Rotwein aus der Region Languedoc passt wunderbar zu Fleischgerichten, ebenso zu mediterranen Gemüse-Eintöpfen, Gratins oder Pasta. Genauso kann man ihn mit Freunden zum Käse genießen. Unkompliziert und französisch – Das ist mein Geschmack!

Mathilde Chapoutier. Sélection
Languedoc
2016
14% alc.

Der Wein enthält Sulfite, doch da ich sehr empfindlich darauf reagiere, kann ich sagen, dass sehr wenig hinzugefügt wurde. Momentan gibt’s bei Vicampo den Karton mit 6 Flaschen für 45 Euro. Ein Schnapper… nicht, dass ich Euch nicht informiert hätte. Vicampo ist ein gut sortierter, sympathiscer Wein-Onlineshop mit Sitz in Mainz – sozusagen meine Nachbarn.

A votre santé!

Es würde mich freuen, wenn ich Dir Appetit auf diesen Tropfen machen konnte, denn ich freue mich einfach an guten Weinen und besonders, wenn ich eine Empfehlung aussprechen kann. Demnächst habe ich eine Empfehlung für Rheinhessen und Italien und hier ein Tipp für einen Wein aus der Pfalz.

2 Kommentare

  1. Farbenfreundin sagt

    Liebe Ina,

    Danke Dir, das freut mich sehr! Bei mir hat jetzt zum Frühling die Weißwein-Saison begonnen und der Rotwein bleibt im Keller. Irgendwie mag ich Rotweine nur bei kühlen Außentemperaturen… aber das Zeug wird ja nicht schlecht, nicht wahr?!

    Herzliche Grüße aus Wiesbaden
    Bärbel

  2. Ina sagt

    Der Wein ist der Knaller!
    Danke für den Tipp,; ich konnte Deiner Beschreibung nicht widerstehen!
    Weintrinkend grüßt
    Ina

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