Leben

Die Ausstellung Mensch!

Altes Rathaus Ingelheim Außenansicht

Derzeit findet die Ausstellung „Internationalen Tage“ in Ingelheim statt und zwar mit einer Skulpturen-Ausstellung: Mensch! – so heißt das diesjährige Projekt von Boehringer Ingelheim, das dieses Jahr ganz besonders ist, denn nach über drei Jahren Pause kehrt man wieder an den ursprünglichen Ausstellungsort in Ingelheim zurück, ins Kunstforum – Altes Rathaus. 

Das ehemalige Gebäude des alten Rathaus wurde aufwändig saniert und wurde sogar um einen großen Ausstellungsraum im Keller erweitert und heißt jetzt Kunstforum Ingelheim. Die Ausstellungsfläche ich modern und zeitlos und während man durch die Räume flaniert, könnte man auch in Paris oder London sein. Selten so eine gelungene Renovierung eines denkmalgeschützten Haus erlebt und schon alleine dafür lohnt sich die Reise auf die ebsch‘ Seit nach Rheinhessen.

Zur Eröffnung der neuen Räume wird eine Skulpturen-Ausstellung gezeigt unter dem Titel Mensch! Damit die Skulpturen auch richtig wirken, wurden die Fenster nicht verschlossen und das gedämpfte Tageslicht verschmilzt angenehm mit dem Ausstellungsraum und immer mal blitzt ein bisschen Rheinhessen im Augenwinkel hervor. Erst so kommen die Skulpturen in ihrer Dreidimensionalität zur Geltung.Portraits in der Ausstellung Mensch Skulpturen in der Ausstellung Mensch Skulpturen in der Ausstellung Mensch Skulpturen in der Ausstellung Mensch

Mensch!

So heißt die Ausstellung, denn es geht um Hände, Füße,Männer und Frauen – mal abstrakt und überzeichnet oder real. Es geht um die Veränderung des Körperlichen in der Kunst und es ist wirklich interessant, wie sich die Sicht auf den menschlichen Körper über die Jahrzehnte verändert. Eine Skulptur zum Beispiel, sie zeigt eine nackte Frau im Schneidersitz, elegant und in Gedanken versunken. Die Skulptur ist fast real und hat damals einen Skandal verursacht. Denn – so sitzt man nicht als Frau, schon garnicht nackt! Im Vergleich dazu eine fast identische Skulptur, doch nur allein durch die Kopfneigung wirkt es schon verschähmter und deshalb nicht halb so skandalös (für damalige Zeitgenossen). Sehr interessante Einblicke in die Zeitgeschichte erhielt ich durch die Hinweise des Kurators.

Things are changing…

Eine Nackte, das schockt uns heute nicht mehr. Doch zu sehen, wie sich der Blick auf den menschlichen Körper veränderte, ist sehr spannend. Dass es vor allem Frauen sind, die portraitiert wurden, liegt wohl daran, dass die Männer die Kunst bestimmten und gerne ihre Mußen als Skulptur verewigten. Dementsprechend auch die Haltungen: Die Frau tanzt, siniert oder schaut verlegen weg, während die männlichen Skulpturen eher in Denkerpose portraitiert werden.

Dies und auch die veränderte Formensprache soll die Ausstellung beleuchten, denn wie auch im Begleitheft steht: „Die Konzentration auf Skupturen, die den menschlichen Körper darstellen, ist mit Bedacht gewählt. Denn anhand einzelner Motiv- und Themengruppen sollen die Entwicklungen und Veränderungen nachvollziehbar vor Augen geführt werden, die sich in der Skulptur von der Mitte des 19. Jahrhunderts bins ca. 1960 vollziehen. Insgesamt fast 60 Skulpturen sind in der Ausstellung zu sehen: Aus Marmor, Bronze oder Terrakotta von Künstlern wie Pablo Picasso,  Max Beckmann und Auguste Rodin.

Die Auswahl ist beeindruckend und durch die Führung mit Dr. Ulrich Luckardt, konnte ich die Kunstwerke auch erst richtig verstehen. Deshalb mein Tipp: Die Ausstellung unbedingt mit Kuratoren-Führung besichtigen (Termine hier), denn das verschafft noch mehr Einblick in die Gedankenwelt der Künstler. Für mich war es ein ganz spannender Besuch und damals wie heute ist Kunst ein Gradmesser für die gesellschaftlichen Entwicklung.

Wie bereits die letzten Ausstellungen im Rahmen der „Internationale Tage“ ist auch in 2018 die Ausstellung wieder ein beeindruckendes Event. Sogar die Tagesschau berichtete, als die Skulpturen in der Metropole sorgfälitg verpackt wurden, um auf’s Land nach Ingelheim befördert zu werden. Ingelheim? Ja, das ist nicht weit von Wiesbaden und noch näher bei Mainz und wer es noch nicht kennt: Hinfahren! Die Kleinstadt ist eine schöne Abwechslung und die Gegend ist zudem Weinanbau-Gebiet, so dass für jeden etwas dabei ist.
Als visuelles Schmackerl vorab gibt’s bei 3sat eine Zusammenfassung (hier)

Kunstforum Ingelheim – das Café und mit im Bild Kristin von Rheinhessenliebe

Sehr empfehlenswert auch der Event am 31. August, wenn es heißt „Nacht der Kunst“ – dann gibt’s Kunst und Kultur bis Mitternacht rund um das Alte Rathaus in Ingelheim. Dort trifft man bestimmt auch die Bloggerin Kristin vom Rheinhessenblog (siehe Foto).

Danke an Artefakt Kulturmanagement für die Organisation des Presse-Events und dass ich mit Kristin von Rheinhessenliebe und Michael Bauer die beeindruckende Ausstellung vor der offiziellen Eröffnung mit einer individuellen Führung durch Herrn Dr. Luckardt besichtigen durfte.

Die Ausstellung Mensch! läuft von 12. August bis 21. Oktober 2018

Altes Rathaus Ingelheim Treppe

Detail vom Inneren des Kunstforum Ingelheim – Altes Rathaus

Adresse: 

Kontakt:
Kunstforum Ingelheim – Altes Rathaus
Kulturmanagement Boehringer Ingelheim
Francois-Lachenal-Platz 1, 55218 Ingelheim

Den Hinweis-Schildern Mensch! Skulptur ab Abfahrt Ingelheim-Ost folgen.

Öffnungszeiten:

Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag
11.00 bis 19.00 Uhr

Samstag, Sonntag und an Feiertagen
11.00 bis 18.00 Uhr

Montag geschlossen
(außer an Feiertagen)