Leben

Meine Krankenkasse macht schöne Beine

Werbung unentgeltlich. Für Genuss & Lebensfreude, mehr Bewegung, für Happiness at all.

Die App meiner Krankenkasse hat einen Fitness-Bereich und für 12 Wochen habe ich mich jetzt verpflichtet. Die Trainings-App ist unerbittlich, dabei das Hochgefühl enorm, wenn es denn endlich hinhaut. Schöner Nebeneffekt: Meine Beine werden immer straffer und von Cellulutis keine Spur. Ob das viele Gehen wirklich gesund ist – das ist die andere Frage.

Sechzig Tausend ist die magische Zahl. Genausoviele Schritte muss ich jede Woche laufen. Seit 12 Wochen. Laufe ich mal mehr, dann hab ich Pech, denn ein Übertrag klappt nicht. Laufe ich zuwenig, dann wird das zweimal vermerkt, beim dritten Mal fliege ich raus. Ich bin jetzt in der 12. Woche und in der Nachbarschaft wundert sich inzwischen keiner mehr, wenn abends zum dritten Mal eine müde Gestalt am Fenster vorbeitrottet. Genau, das bin dann ich. Als Schreibtischtäter kann das schon schwierig werden, diese Schrittzahl zu erreichen: 60.000

Schon zweimal bin ich kurz vor Schluss rausgeflogen. Im Frühjahr hatte es einfach nicht geklappt. Naja, es kann wirklich eng werden, denn obwohl ich sportlich bin, es wird nur das Gehen gezählt. Nicht gezählt werden:

  • Schwimmen
  • Pilates
  • Yoga
  • Radfahren

Es geht der App also wirklich nur um die Schritte und naja, da ich manchmal auch ohne Handy zum Kiosk, zum Briefkasten, zum Klo zum Nachbarn laufe, werden diese Schritte nicht mitgezählt und ich muss nacharbeiten, also nach-laufen oder nach-gehen.

Schritte sammeln gehen

Genau, abends heißt es dann noch Schritte sammeln und nach mehr als 10 Jahren in diesem Viertel lerne ich plötzlich Nebenstraßen kennen, die mir vorher nie aufgefallen waren. Es gibt eine Versöhungskirche und eine andere Glaubensgemeinschaft, die hier im Viertel ihre Häuser gebaut haben. Mir war das nie aufgefallen. Den Apothekergarten Wiesbaden kannte ich schon und das Aukamm-Tal ist wirklich eine schöne Spaziergegend mit Einfamilienhäusern und kleinen Schrebergartenanlagen. Aber auch unschöne Ecken sieht man plötzlich im Detail und bei manchen frage ich mich dann, wie das geht, dass in Zeiten von Wohnungsnot noch ganze Wohneinheiten leer stehen oder nicht fertig gebaut werden. Das versteht wohl nur der Eigentümer.

My neighbourhood

Hier soll es nur um meine Schritte gehen und ja, ich laufe seit Wochen sehr viel durch’s Viertel. Eigentlich eine schöne Idee, jeden Tag bzw. Abend eine andere Seitenstraße zu begehen, oder? Das machen sonst nur Hundebesitzer oder Rentner, die um den Block laufen. Schön, endlich die Nachbarschaft kennenzulernen. Da gibt es die alte Dame, die abends noch Besuch vom Pflegedienst bekommt. Oder der Familienpapa, der mit dem Sohnemann noch Radfahrtraining macht. Doch ich muss dann mal weiter, weil, Schritte machen.

Wie gesagt, ob’s der Gesundheit dienlich ist, halte ich für fraglich, denn nach einem Marsch mit 20 000 Schritten (ja, ich war die Woche über wenig gelaufen und musste nacharbeiten) – da tut mir der Fuß, das Knie und die Hüfte mächtig weh. Andererseits gibt mir das Experiment ein Gefühl dafür, wie wenig ich sonst so laufe: Aufstehen, zur Arbeit fahren, mit dem Fahrstuhl fahren, mit dem Bus fahren etc. –  im schlechtesten Fall laufe ich an solchen Tagen gerade mal 1000 Schritte. Das ist zuwenig!

Bewegung ist so wichtig für den Körper. Der Stoffwechsel kommt sonst nicht in Schwung, der Blutkreislauf bleibt träge und es kommt kein Sauerstoff ins Blut. Auch Anspannung wird durch Bewegung abgebaut und wer beruflich viel Stress hat, sollte mehr Bewegung ins Leben bringen. Ich gehe jetzt viel zu Fuß und nach inzwischen 12 Wochen habe ich ein regelrechtes Schritte-Bedürfnis. Sobald ich zuwenig gehe, fühle ich mich unwohl. Das ist ein guter Nebeneffekt.

Mein Problem, wenn ich heute zuwenig laufe (weil ich diesen Beitrag noch tippe, ein Plugin installiere und den Blog auf Vordermann bringe), dann muss ich morgen die doppelte Pensum laufen: 20.000 Schritte. Sollte ich morgen auch zu wenig laufen, weil Yoga oder Sonnenliege oder Kino, kommt dann am Tag 3 das böse Erwachen. Dann sind’s plötzlich über 20.000 Schritte, die ich noch erlaufen muss. Das ist hart! Denn das sind dann über 15 km. Da darf ich keinen Bus oder Fahrstuhl nehmen und wirklich jeder Gang muss mitgezählt werden. Nach einem solchen Marsch bin ich wirklich reif für die Reha. Das Arnika Massageöl steht seither bereit und sexy fühle ich mich danach nicht.

Trotzdem: Meine Beine sind mega-straff und das Gehen macht einen tollen Po. Zum Glück bin ich schon in der 12. Woche und die Krankenkasse verspricht einen Bonus. Yeah!

Interessiert? Bestimmt bietet auch Deine Krankenkasse eine solche App. Denn in der aktuellen Ausgabe von Spiegel-Online steht: „In jeder dritten Familie spielt Bewegung kaum eine Rolle, zeigt eine Umfrage der AOK. Auch in Sachen Übergewicht sind die meisten Eltern schlechte Vorbilder – vor allem die Väter. auch, dass laut Erhebung der AOK.“

Leute, bewegt Euch!