Genuss
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Schnippeldisko mit Talley Hoban

Ofen-Kürbis mit Tahini-Sauce
Hirsch-Hack Bolognese mit Kartoffelspalten oder Bio-Spaghetti
Apfelkuchen mit Zimt-Streusel

…da läuft mir direkt das Wasser im Mund zusammen und klasse, dass ich gleich die Frau dazu interviewen darf, also die, die das Menü kreiert hat. Sie macht die Welt ein kleines bisschen besser, zumindest im Kleinen, in Wiesbaden.  Angefangen hat es mit Schnippelparties. Sogar die deutschen Medien waren schon auf sie aufmerksam geworden und so war sie 2012 zu Gast beim Kölner Treff.

Inzwischen führt sie ihr eigenes Restaurant: Talley’s.  Zu finden in Taunusstein-Wehen. Gutes Essen, gute Musik – auch mal live – und mit einer tollen Sonnenterrasse, geöffnet regulär Montags, Mittwochs und Freitags ab 15 Uhr. Hingehen, denn am kommenden Samstag, den 5. November ist ab 15 Uhr eine Schnippelparty mit anschließendem Konzert geplant.

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Hallo liebe Talley, schön, dass es heute mit dem Interview geklappt hat und deshalb gleich meine erste Frage:

Du lebst in Wiesbaden, was hat Dich denn hier her verschlagen ?

Im Club 74 in Waldems Esch, wo ich vom Hochtaunus zum Tanzen hingefahren bin, kam ich immer wieder mit einer Wiesbadenerin ins Gespräch. Das war 2005. Nach einem Besuch bei ihr war mir schnell klar, dass ich unbedingt in Wiesbaden wohnen möchte. Zuvor wohnte ich nur auf dem Land und in Kleinstädten und endlich wollte ich das Stadtleben kennen lernen. Ich war stark beeindruckt von der Stadt und besonders reizte mich die atemberaubende Architektur in Wiesbaden und noch heute entdecke ich immer wieder neue Details, die mir vorher noch nicht aufgefallen waren. Auch die alten Bäume bewundere ich und der nahe Stadtwald ist großartig. Dazu die Ausgehmöglichkeiten in der Stadt, wo ich viele Stunden tanzen und mich austoben konnte. Inzwischen gehe ich ja immer seltener in die Stadt, auch, weil mich die vielen Geschäfte sonst zum Kaufen verführen. (Oh ja, kenn ich…) Die Tanzgelegenheiten haben abgenommen, also habe ich jetzt am Rand von Taunusstein-Wehen eine eigene Location ins Leben gerufen!

talleys_logoDas Talley’s

Mein neu eröffnetes Speiselokal bietet viel Platz für Konzerte und Tanz-Events, denn mit den Jahren habe ich viele lokale Bands und Sänger(innen) entdeckt, die ich jetzt nach und nach zu mir einlade. Dann kann ich zusammen mit meinen Gästen der Musik lauschen, es wird getanzt und ich schwinge auch mal selbst das Tanzbein.

Wie kommt man zu solch einer Berufung? Erzähl doch ein bisschen von Deiner Arbeit und wie es dazu kam.

Mir war schnell klar, dass ich es in meinem erlernten kaufmännischen Beruf nicht auf Dauer aushalte. Es hat mir nicht geschadet in vielen teils großen international tätigen Firmen mitzuwirken. Insbesondere der interkulturelle Austausch, die Teamarbeit und das selbständige Arbeiten mit ausländischen Kolleg(inn)en und Kunden machte mir Spaß. Doch das Zusammengehörigkeitsgefühl basierte im Grunde nur auf einer rein geschäftlichen Basis. Da fehlte mir etwas.

Kurz nach meiner Ausbildung erhielt ich die Chance, die Frühstückskantine eines Munitionsdepots der Bundeswehr zu leiten. Ich war gerade mal 21, doch da ich nur 10% von meinem Umsatz abgeben musste und eine voll ausgestattete Küche nutzen durfte, war das Risiko gering. Für die deutschen Berufssoldaten war es damals schon recht ungewöhnlich von der Tochter zweier amerikanischer Lehrer, die für die US-Armee arbei(te)ten, bedient zu werden  (hihi, das kann ich mir vorstellen, kicher…). Doch außer der Bild-Zeitung wurde nicht viel gekauft, da die meisten ihr Frühstück schon dabei hatten. Nichts desto trotz war es eine wichtige Erfahrung und es wurde deutlich, dass ich selbständig arbeiten und selbst Entscheidungen treffen wollte. Ich wollte und will nach wie vor Menschen zusammen bringen und sie zum Austausch untereinander anregen – mit leckeren Speisen und angenehmer Hintergrundmusik gelingt das meist ganz gut.

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Couchsurfing Botschafterin

Die kaufmännische Schiene lässt mich aber nicht los, denn vor etwa 10 Jahren, als ich nach Wiesbaden zog, begann ich, mir die Welt in meine Wohnung einzuladen, nämlich als Couchsurfing-Botschafterin. Couchsurfing.org ist eine Internetplattform die Menschen die Möglichkeit bietet, Fremde von nah und fern zu beherbergen und sie aber auch zu besuchen. So lernt man auf Reisen oder im Alltag ganz unterschiedliche Menschen kennen, lernt ihre Unterschiede zu schätzen und erkennt viele Gemeinsamkeiten – ganz egal welche Wurzeln, Glaubensrichtungen oder politische Einstellungen sie haben. Als Botschafterin von Couchsurfing in Wiesbaden organisierte ich auch Treffen – meist Kochparties in meiner Wohnküche mit bis zu 25 Mitgliedern, Bekannten und Familienmitgliedern.

2008 entstand in meinem Kopf dann die Idee eines neuen Ausgehtrends der bitter nötig war: Die Schnippel-Disko. Die Organisation veranstaltet seit 2012 in 20 Ländern diese Veranstaltung, im Ausland unter dem Namen Disco Soupe. Ich selber begann unabhängig von einem Verein im Alleingang die Initiative ohne DJ, doch dafür mit Live-Musikern und Jam-Sessions auf ganz unterschiedlichen Veranstaltungen, sogar bundesweit. Anfragen häuften sich ob ich auch Caterings mit Ernteaus- und -überschüssen zubereiten kann. Neben diesen Projekten war ich dann auch noch als Freiwilligen-Koordinatorin in einer Erstaufnahme für Flüchtlinge tätig und zum Ende dieses Einsatz entdeckte ich im Frühjahr diesen Jahres ein wunderschönes Lokal inklusive gewerblicher Küche in Taunusstein-Wehen. Es liegt am Rande eines naturgeschützten Wald mit Sonnenterasse und ich habe es kurzerhand übernommen und führe es seither alleine.

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Großartig! Ich bin zunächst sprachlos bei deinem Engagement und dem Tatendrang. Klasse!  Und nach getaner Arbeit: Wie sieht die perfekte Happytime aus? Oder ist die Arbeit deine Happytime?

Ich bin froh wenn meine Gäste happy sind. Doch auch ich bin gerne Gast, besonders dort wo man mit neuen und altbekannten Menschen ins Gespräch kommen kann oder ohne Worte sich auf der Tanzfläche versteht.

Gibt es ein spezielles Soulfood für Tage die nicht so gut gelaufen sind?

Ich freue mich über bunte Gemüsekombinationen und Reste,  insbesondere wenn ich sie vor dem Verderb bewahre.

Gibt es ein happyfood, für Tage, die es zu feiern gilt?

Wenn ich guter Dinge bin probiere ich gerne neue Rezept-Kombinationen, also von mir neu entdeckte bzw. altbewährte Gerichte aus, natürlich immer aus regionalen Lebensmitteln.

Und wo genau ist jetzt Dein Restaurant?

Talley’s
Platter Straße 87
Taunusstein-Wehen bei Wiesbaden
Geöffnet Mo, Mi, Fr ab 15 Uhr
Tipp: A
uf der Facebook-Seite nach den aktuellen Terminen schauen.

Vielen Dank für das Gespräch!

P.S. Übrigens: 50 Prozent aller Lebensmittel werden weggeworfen: Jeder zweite Kopfsalat, jede zweite Kartoffel und jedes fünfte Brot. Das meiste davon endet im Müll, bevor es überhaupt den Verbraucher erreicht. Der Dokumentarfilm Taste the Waste, der demnächst im Programmkino CineMayence in Mainz läuft, setzt sich mit diesem Thema kritisch auseinander.

talleys_anfahrt

 

2 Kommentare

  1. Hallo liebe Gaby,
    vielen Dank für Deinen Kommentar und schön, dass Du im Blog vorbei geschaut hast. Ja, mich beeindruckt Talley’s Engagement total und ich drücke die Daumen für ihr Restaurant-Projekt.
    Herzlichst, Bärbel

  2. Gaby Singer sagt

    Talley ist ein echter Wirbelwind. Ich kenne sie noch aus der Zeit im Club 74 in Waldems-Esch. Ich finde es großartig, was sie macht…

    Beste Grüße

    Gaby Singer

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