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Wäre ich doch jetzt auf… Sardinien

Strand Stintino Sardinien

Wenn in Deutschland im November alles winterlich grau wird, behelfe ich mir mit schönen Urlaubserinnerungen und ergreife gedanklich die Flucht. Zum Beispiel nach Italien. Letztes Jahr Venedig, dieses Jahr Sardinien. Okay, zugegeben, Sardinien ist nicht Italien – doch das ist gut so.

Am liebsten verreise ich ja außerhalb der Saison, denn die schönsten Ecken dieser Welt finde ich einfach gar nicht mehr schön, wenn sie überlaufen sind. Doch bei Sardinien, zumindest im Nord-Westen, hatte ich das Gefühl, dass man auch in der Hochsaison immer noch einsame Ecken findet. Im Sommer wird es sehr heiß und dann verstehe ich, dass vor allem die Italiener hier urlauben, die die Hitze besser vertragen. Mai/Juni oder September sind die von mir favorisierten Reisezeiten.

Sardinien ich komme!

Der Hinflug per Ryanair ab Frankfurt-Hahn war so günstig, dass mir die Anreise von Wiesbaden zu diesem abgelegenen Flughafen nicht schwer fiel. Die Flugzeiten waren perfekt und der Flug verlief überpünktlich, topp! Der Norden Sardiniens mit der schönen Küste „Costa Smeralda“ wird wärmstens empfohlen und deshalb war es mir recht, dass Ryanair auch nur den Norden, nämlich Alghero, anfliegt. Je nach Reiseziel würde ich auch den Ziel-Flughafen wählen (Norden oder Süden), denn die Insel erscheint auf den ersten Blick klein, ist aber dann doch größer als gedacht.

Ohne Mietwagen geht sowieso schon mal gar nichts. Obwohl es in den Küstenstädten einen Bus-Shuttle zum Strand gibt – man ist einfach flexibler mit einem Auto und in die urigen Dörfer im Hinterland und zu den abgelegenen Buchten kommt man sowieso nur als Individualreisender. Trotzdem, die Straßen sind nicht wie in Deutschland und deshalb zieht sich die Fahrerei doch sehr in die Länge. Das sollte man einplanen. Wir haben also gleich am Flughafen Alghero einen kleinen Fiat 500 übernommen und los ging’s zu unserer im Vorfeld gebuchten Ferienwohnung. Doch wohin müssen wir eigentlich fahren?

Wenn man aus dem dichtbesiedelten und gut ausgeschilderten Rhein-Main-Gebiet kommt, kennt man kaum mehr Dunkelheit in der Nacht. Im Ballungsgebiet wird es in der Nacht eigentlich nicht mehr richtig dunkel. Anders auf dem Land, denn ist die Sonne untergegangen, ist es Nacht. Richtig Nacht, also stockdunkel. Da sieht man wirklich gar nichts mehr. Weder ich noch das Handy-Navi hatten eine Orientierung und die Karten von Google Maps waren in etwa aus den Achtzigern, also jedenfalls nicht mehr aktuell. Kurzum, wir hatten uns verfahren und nur mit Hilfe des Telefons (Vodafone-Reiseversprechen sei Dank), in Kauderwelsch halb auf Englisch und Italienisch, fanden wir unsere kleine, feine Ferienwohnung. Jippie!

Start in den Urlaub

Gepäck ausladen, Räume inspizieren und dann konnte der Urlaub auch schon losgehen.

Merker für nächsten Urlaub: Aktuelle (!) Straßenkarte aus Papier mitnehmen,  denn schnell ist mal der Handy-Akku leer oder kein Netz – schwubbs, ist es vorbei mit der Orientierung.

Merker für nächsten Italien-Besuch: Vielleicht doch mal die italienische Sprache lernen..

Sardische Tomaten

Must-Have für die Ferienwohnung

Im Internet hatten wir eine schöne Ferienwohnung ausgesucht. Zunächst war ich mir unsicher, weil im Internet oft mit den Foto getrickst wird. Doch wir hatten eine sehr gute Wahl getroffen und jederzeit würde ich dort wieder Urlaub machen. Die Wohnung war groß, sehr ruhig und schön gelegen, sogar mit einem kleinen Olivenhain vor der Türe und dazu hatten wir einen großen gemeinschaftlichen Pool. Genau so stelle ich mir Urlaub vor! Was mir wichtig an einer Ferienwohnung ist, sind folgende Punkte:

  • Eine funktionierende Küche,  denn wir kaufen gerne Lebensmittel ein, denn gerade in Südeuropa verlocken die Märkte mit Käse, frischen Tomaten und Auberginen und anderen feinen Genüssen zum Kauf. Manchmal kaufen wir am Hafen auch frischen Fisch und dann ist es ein tolles Erlebnis, die guten Zutaten gleich in der Urlaubsküche zu verarbeiten. Die Tomaten oben auf dem Foto waren die besten, die ich je in meinem Leben gekostet habe!
  • Niemals ohne einen Balkon / eine Terrasse, denn im sonnigen Süden will ich viel Zeit im Freien verbringen. Pool ist cool, muss aber nicht sein, denn:
  • Meernähe. Also niemals weiter als 10 km entfernt vom Meer. Ja, auch das Hinterland und die Berge sind schön. Trotzdem…
  • Genug Raum für uns. Also mindestens 2 Zimmer. Man hat einfach mehr Platz und insgesamt mehr Freiheiten in einer Ferienwohnung im Gegensatz zum Hotel, das möchte ich nicht mehr missen. Gut, dass wir auch in diesem Fall eine tolle Ferienwohnung gefunden hatten.
  • Gutes Preis-Leistungsverhältnis
  • Gute und sympathische Kontaktmöglichkeit zum Vermieter

Bucht man im Internet, ist immer eine Rest-Unsicherheit da. Ich verlasse mich dann meist auf Empfehlungen oder beachte die Bewertungen in den Online-Portalen. Mit diesen Tipps haben wir auch dieses Mal wieder eine gute Wahl getroffen und die Korrespondenz im Vorfeld und auch danach war total nett und alles hat gut geklappt.

Auf Sardinien im Restaurant

Neben Selberkochen in der Ferienwohnung gehen wir im Urlaub gerne Essen. Nichts ist schöner, als ein Lunch im Restaurant mit Blick über die Badebucht, in der man eben noch selbst geplantscht hat. Oder abends angehübscht im Restaurant zu genießen.

Unser erster Stopp bei der Insel-Tour war Sassari. Wir hatten eine Restaurant-Empfehlung bekommen und tatsächlich, die Fahrt hatte sich gelohnt. Die Location liegt etwas versteckt in einem Hinterhof und ganz ehrlich hatte ich am Abend dann meine Handtasche schon fester unter den Arm geklemmt als noch am Mittag. Es gibt dort schon sehr dunkle Ecken. Als ich dann auf dem Parkplatz zwei Autos mit dem deutschen Kennzeichen OF habe stehen sehen, musste ich lachen… Naja, wer Offenbach kennt, versteht das jetzt. Kurzum: Die Stadt ist Offenbach nicht unähnlich und damit sehr vielschichtig und das schicke Universitätsgebäude kann nicht davon ablenken, dass es auch eine andere Seite gibt.

Jetzt aber zum Restaurant, mein Geheimtipp für typisches sardisches Essen ist das L’Assassino.

Im Hinterhof fühlt man sich weit weg von allem und es ist ultra-gemütlich. Das Essen einfach, typisch sardisch und sehr sehr lecker. Schon einmal Aal gegessen? Ebenso Schnecken und, na klar, feine italienische Wurst, Schwein, und hach, mein Lieblingsessen: Muscheln.

italienische Wurst als Vorspeise auf Sardinien

 

Cozze Sardegna

Schweinebraten sardisch

 

Wer mich kennt weiß, von mir gibt es keine Standard-Tipps. Irgendwelche touristischen Sehenswürdigkeiten empfehlen, die auch im Reiseführer stehen? Nö. Das kann man alles in einem x-beliebigen Reiseführer nachlesen. Ein paar Tipps gibt’s auch hier und jetzt aber zu meinen persönlichen Tipps für den Nord-Westen Sardiniens.

Strand La Pelosa bei Stintino auf Sardinien

Der wunderschöne Strand La Pelosa bei Stintino. Ist das Karibik, oder was? Ein Traum in Türkis! Die Bucht ist durch eine vorgelagerte Insel vom offenen Meer etwas abgeschottet und deshalb auch für Kinder ein Badeparadies. Das lieben auch die Italiener, deshalb ist am Wochenende der Strand so voll wie im Freibad. Trotzdem – im Wasser kann man sich weit treiben lassen und fühlt sich paradiesisch.

Es gibt einige Strandbuden, ein Edel-Restaurant dort, doch nach zwei Stunden Sonne drohte der Hitzestich, deshalb fand ich die Idee, mit dem Auto in das nächstgelegene Städtchen mit Name Stintino zu fahren, nicht verkehrt. Ein kleiner, feiner Ort mit schöner Infrastruktur zum Bummeln und ein paar kleinen Restaurants für den einfach Mittagstisch. Danach: Siesta!

Alghero auf Sardinien

Während Sassari eher eine Industriestadt mit Universität ist, hat Alghero wirklich großen Charme. Ein idyllisches Hafenstädchen – perfekt für Urlauber. Wobei lt. Focus Alghero Stadt der „Anti-Jetset-Ort“ist. Ja, kann man so sagen. Der Hafen und die verwinkelten Gassen laden zum Bummeln ein.

Hafen Alghero, Sardinien

Baden gehen kann man in der nahegelegenen langezogenen Bucht, nämlich Alghero Strand. Zunächst sieht man die Hotels, doch dahinter wird der Strand wilder und mit den Pinienhainen fühlt man sich ein bisschen wie an der Ostsee, nur eben bei über 30 Grad. Wir haben uns nahe einer coolen Strandbar niedergelassen und die Trance Music blubbert so ein bisschen rüber und so träumt sich’s schön in der Nachmittagssonne. Dolce vita!

Im Hafen von Alghero unbedingt eine Bootstout zum Capo Caccio, der Felsenküste, buchen und dann bei Mittagshitze raus auf’s Meer fahren und genießen. Die Fahrt zu den Felsen ist eine schöne Abkühlung und macht Lust auf Fisch, Muscheln und mehr. Die Besichtigung der Tropfsteinhöhle allerdings ist Abripp, die schaut man sich besser auf guten Fotos im Reiseführer an, statt mit gefühlt hundert schwitzenden Touristen aus aller Welt die schmalen Gänge der Grotte zu erklimmen.

Es findet sich immer ein Boot, das noch einen Platz für eine Tour frei hat und das macht echt Laune. Die Fahrt auf’s offene Meer könnte ich jeden Tag machen. Klasse Tour!

 

 

boat alghero capo caccia

 

Anti-Aging auf Sardinien

Auf Sardinien wird man schonmal 109. Mindestens. Die italienische Mittelmeerinsel ist ein Paradies fürs Altwerden, denn nirgendwo leben mehr 100-Jährige als auf Sardinien, darüber gibt es viele Beiträge und auch die ARD hatte darüber berichtet. Ob’s am guten Essen liegt? Rein vegetarisch ernährt man sich jedenfalls nicht auf Sardinien.

Deftige Gerichte mit Lammfleisch oder Schweinefleisch sind sehr beliebt. Spanferkel auf sardische Art, hach, köstlich. Dazu ab Mittags Wein… ob das gesund ist? Wahrscheinlich liegt es an der Siesta, denn daran führt auf Sardinien kein Weg vorbei. Am frühen Nachmittag gehen plötzlich über all die Rolläden runter und es wird still in den Gassen. Egal, wie touristisch die Stadt ist  Siesta. Punkt. Ruhezeit bis abends um fünf. Das gefällt mir!

Kirche Alghero, Sardinien

 

Sowieso, Sardinien ist nicht Italien.

Die Sarden sind anders und das fängt bei der Sprache an und hört beim Essen auf. Gerade deshalb ist es eine Reise wert und eine Woche ist für diese große Insel eigentlich zu kurz.

Wenn man sich auch mal treiben lassen möchte und dafür ist Urlaub ja da, schafft man die Insel sowieso nicht in einem Urlaub. Wir sind also nicht runter bis ganz in den Süden gefahren. Die Einsamkeit im Westen und die schönen Buchten im Norden haben mich einfach so gefesselt und nun muss ich also bald wieder kommen und im Süden der Insel urlauben.

Wer hat Tipps für den Süden?

Italienisch kann ich zwar immer noch nicht, aber die Menschen auf Sardinien sind so gastfreundlich und hilfsbereit, dass man jederzeit auch mit Händen und Füßen kommunizieren kann – es wird einem in jedem Fall geholfen.

Vielleicht kann mir für den Süden Sardiniens, also Cagliari noch jemand Tipps geben? Zum besseren Überblick habe ich mir jetzt auch eine Weltkarte in groß bestellt, die hängt jetzt über meinem Schreibtisch – da kann ich dann „armchair travelling“ in den schönen Süden machen.

Visit Sardegna!

 

Treppe ins Meer auf Sardinien

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