Reisen
Kommentare 4

Tipp für Berlin

Ende der Achtziger… da musste man noch über die Transitstrecke nach Berlin fahren und bekam für jede Ein- und Ausfahrt Stempel in den Reisepass. Besuchte man Ostberlin musste man sogar einen Zwangsbetrag an Devisen bezahlen und bekam dafür Ostgeld, weshalb ich meist im Westteil der Stadt blieb, damals, als ich in Berlin lebte. Aus gegebenem Anlass erinnere ich mich heute, weil, es ist…

Tag der Deutschen Einheit

Im Zuge dieses Nationalfeiertages gehe ich zurück in die Vergangenheit. In die Zeit als die Stadt, nein, sogar das ganze Land, geteilt war und Scharfschützen die Mauer bewachten. Das kann ich mir heute kaum mehr vorstellen, obwohl ich es selbst erlebt habe. Immer mit Panik im Nacken bin ich damals die Transitstrecke gefahren. Bloß nicht schneller als Hundert und hoffentlich habe ich nicht irgend etwas Unerlaubtes im Kofferraum. Diktatur ist schon kacke!

Positiv in Erinnerung sind allerdings die Raststätten-Besuche, bei denen ich Soljanka und Broiler kennenlernte und im „Duty-Free“ (naja, es war eher ein Kiosk, in dem man mit West-Geld alles Mögliche kaufen konnte) regelmäßig eine Flasche Krimsekt (gibt’s das eigentlich noch?) für die nächste Party kaufte.

Im Herbst 1989 dann endlich der Mauerfall. Was war das für ein Ereignis! Fremde Menschen fielen sich auf der Straße weinend in die Arme und tanzten. Ausnahmezustand!

Berlin-Prenzlauer Berg

Lange vor Mauerfall, nämlich 1986, war schon das Wasser im Ostberliner Stadtbad abgelassen worden. In den Neunzigern fanden dort schräge Kunst-Events statt und die Kreativen übernahmen die Regie. Das war auch die Zeit als ich im Prenzlauer Berg wohnte und es sehr bedauerte, kein Schwimmbad in nächster Nähe zu haben. Immerhin hatte meine damalige Studentenbude nur Kohle-Ofenheizung und deshalb war es immer ein Hochgenuss, in eine schöne Schwimmanlage zu gehen: Zentralbeheizte warme Duschen, Sauna… hm. Stattdessen: Bauruinen.

Stadtbad Oderberger

Siehe da – heute ist’s möglich. Das denkmalgeschützte Stadtbad wurde endlich wiedereröffnet! Das Stadtbad ist jetzt Schwimmbad, aber auch Hotel und Event-Location in einem. Multifunktional!  Kürzlich durfte ich vor der Eröffnung schon einmal reinspicken, in das neue Hotel und in das Schwimmbad in der Oderberger Straße.

Ein Juwel für Schwimmbad-Liebhaber wie mich! Der Gebäudekomplex wurde sorgfältig saniert und sehr geschmackvoll eingerichtet. Der Pool ist Hotelpool, aber auch öffentliches Schwimmbad (Eintritt ca. 6€). Dazu ein sehr geschmackvoll eingerichtetes Boutique-Hotel mit wunderbar individuellen Zimmern. Meins war ein Maisonette-Zimmer – eine echte Besonderheit, weil so großzügig und voll Charme.

maisonette-hotel-oderberger-berlin

oderberger-hotel-innenhof

Ab September gibt es auch ein feines Restaurant im ehemaligen Heizwerk des Bades und seit Oktober kann man endlich auch in den Pool springen (siehe auch der Artikel in der BZ-Berlin). Mein Fazit: Großartig!

Der denkmalgeschützte Neorenaissance-Bau und erstrahlt jetzt in neuem Glanz: Viele Details, wie die Türen der Umkleidekabinen oder Kachelwände ebenso die ehemaligen Kassenhäuschen wurden erhalten. Neben Schwimmbad und Hotel gibt es einen Spa-Bereich mit Sauna. Auch für Berliner ist es also eine Reise wert und man kann dort innehalten und auftanken.

Geschichte hautnah spüren!

oderberger-hotel-details

Für mich war der Berlin-Besuch auch eine Reise in die Vergangenheit. In meine Vergangenheit, damals in den Neunzigern in Berlin. Manchmal ist es gut, einfach mal kurz innezuhalten und nachzuspüren. Wo stehe ich heute und wohin soll es gehen.

Das sollte eine Stadt, ein Land, eine Gesellschaft auch immer mal wieder tun. Nachprüfen, ob die Richtung in die man geht noch stimmt und gleichzeitig darüber staunen, was man schon alles geschafft hat. 

Mein Vorschlag deshalb zum Tag der deutschen Einheit: Innhalten. Nachspüren. Wohin geht unsere Reise?

Hotel Stadbad Oderberger Berlin
Oderberger Straße 57, 10435 Berlin-Prenzlauer Berg
Tel. 030 – 780089760, Email: info@hotel-oderberger.berlin

Facts & Figures 
Bei meinem Aufenthalt im Hotel Stadtbad Oderberger hatte ich Gelegenheit, in die Geschichte des Hauses zu schnuppern und ich bin sehr dankbar, dass mir Tina noch die hauseigene Chronik zur Veröffentlichung und auch ein paar Profi-Fotos mitgegeben hat, zusätzlich zu meinen Handyshots.

Hotel Oderberger Berlin :: Geschichte
Das Stadtbad Oderberger Straße ist das spektakulärste Gebäude auf dem GLS Campus Berlin:  Die ehemalige „Volksbadeanstalt“ – ein imposanter Neorenaissance Bau unter Denkmalschutz – bietet eine nicht nur historisch, sondern auch architektonisch faszinierende Bühne für jedes Event. Das Stadtbad Oderberger wurde 1898 vom Architekten Ludwig Hoffmann konzipiert, um den damals rasant wachsenden Bezirk Prenzlauer Berg mit öffentlichen Einrichtungen zu versorgen. 1986 musste das Bad schließen, seitdem ist hier niemand mehr geschwommen. 2012 begann die Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes, seit Januar 2016 ist das Hotel Oderberger Berlin geöffnet.

1902:

Eröffnung als „Volksbadeanstalt“

1945:

Das Bad übersteht den Krieg ohne größere Schäden

1986:

Schließung des Bades aufgrund von Rissen im Beckenboden

1989:

Eine Bürgerinitiative, gegründet von Bernd Holtfreter, sorgt für den Erhalt des Stadtbades

1994:

Künstler um den Galeristen Wolfgang Krause nutzen das Bad für Ausstellungen

2011:

Verkauf des Stadtbades an das GLS Sprachenzentrum (Dr. Hans Dieter und Barbara Jaeschke)

2012:

Beginn der Sanierung

2016: Re-opening als Hotel Oderberger Berlin (70 Zimmern, 2 Apartments, 10 Seminarräume)

Projektbeschreibung: Das Stadtbad wurde 1898 vom Architekten Ludwig Hoffmann konzipiert, um den rasant wachsenden Bezirk Prenzlauer Berg mit öffentlichen Badeeinrichtungen zu versorgen. Bei seiner Eröffnung im Jahre 1902 umfasste es neben einem 25 Meter Schwimmbecken im Erdgeschoss ca. 200 Einzelbade- bzw. Duschkabinen auf zwei Etagen, mehrere Verwaltungsräume und fünf Wohnungen. Bis 1986 wurde das Gebäude als Bad genutzt und dann aufgrund schwerer Schäden im Bereich des Beckenbodens geschlossen. Nach erfolglosen Sanierungsbemühungen durch die Stiftung Denkmalschutz von 2006 – 2011 wurde das Gebäude von der GbR Oderberger Straße 57-59 zum Zwecke der Sanierung und Umnutzung erworben.

Durch die von 2012 bis 2016 geplante Komplettsanierung wurde die historische Bausubstanz nachhaltig gesichert und in ihrer historischen Erscheinung und Farbgebung wiederhergestellt.

Der Badbetrieb wird nach über 30 Jahren wieder aufgenommen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es werden 70 Hotelzimmer und 10 Veranstaltungs- und Seminarräume untergebracht.

Besondere Designelemente:

Das gesamte Ensemble ist denkmalgeschützt, sprich die Sanierung war sehr aufwändig und dauerte insgesamt länger als die damalige Bauzeit. Die Liebe zum historischen Detail war maßgebend und spiegelt sich in der Ausstattung der Zimmer wieder, wo viele historische Details aufgegriffen wurden, wie z.B. die alten Badkabinentüren, die jetzt zu Badezimmertüren der Hotelzimmer wurden. Die Badfliesen wurden an der Rezeption verwendet und sind Teil der Hotelzimmer, die alten Kassenhäuschen im Entrée wurden erhalten, der Kamin in der Bar wurde aus alten Sandsteinen erbaut.

Besonderheiten Bad:

Das Schwimmbad ist mit einem Hubboden ausgestattet, der es ermöglicht den Schwimmbadboden nach oben zu fahren. Das Oderberger wird also neben seiner Nutzung als Schwimmbad auch außergewöhnliche Event Location sein. Der imposante Neorenaissance Bau unter Denkmalschutz bietet eine nicht nur historisch, sondern auch architektonisch faszinierende Bühne für jedes Event.

Restaurant ‚Das Oderberger‘:

Das Restaurant ‚Oderberger‘ entsteht im ehemaligen Heizkraftwerk des Stadtbades – auf drei Ebenen mit insgesamt 15 Metern Raumhöhe. Serviert wird regionale, feine Küche, der Fokus liegt auf ausgewählten deutsche Weinen. Eröffnung des Restaurants ist im September 2016.

 

 

 

 

 

 

4 Kommentare

  1. Liebe Sieglinde,
    gerne gib die EMpfehlung weiter. Das Hotel war früher Hostel und bietet einige Zimmer mit Dusche auf dem Gang zu sehr günstigen Preisen an. Optimal für sparsame, junge Reisende.

    Viele Grüße aus dem herbstlichen Wiesbaden
    Bärbel

  2. Hallo Bärbel,
    den super Hotel-Tipp mit dem Arte Luise gebe ich gern mal meinen Kindern. Sie sind im richtigen Alter für solche hippen Hotels.
    Wir Alten ziehen inzwischen den tradtionellen Comfort vor und gehen ins Westin Grand Hotel oder so…
    Schönes Wochenende wünscht Dir Sieglinde

  3. Liebe Sieglinde,

    vielen herzlichen Dank für deine positive Rückmeldung! Oh ja, ein Zukunftsministerium – da bin ich dabei.

    Apropos Mitte… es gibt ja so viele schöne und spannende Hotels in Berlin. Wenn ich zur Fashion Week gehe, übernachte ich meist im Hotel Künstlerheim Luise nahe Brandenburger Tor. Dort sind alle Zimmer von unterschiedlichen Künstlern gestaltet.

    Schöne Grüße
    Bärbel

  4. Dein Post zu Berlin und Mauerfall gefällt mir sehr gut und so zitiere ich Dich:
    „Mein Vorschlag deshalb zum Tag der deutschen Einheit: Innhalten. Nachspüren. Wohin geht unsere Reise?“
    Das wäre mal wirklich eine gute Idee. So Innehalten und als Gesellschaft nachspüren über die eigene Befindlichkeit.
    Ich finde ja immer, dass es ein Zukunftsministerium geben sollte mit einem Think Tank, der für solche Aufgaben immer wieder neu gebildet wird aus allen Teilen der Bevölkerung.
    Aber das sprengt jetzt den Rahmen eines Blog-Komments.
    Deine Berlin Tipps sind sehr interessant. Ich fahre einmal im Jahr ein paar Tage nach Berlin – meist im Winter – und logiere immer in Mitte in der Friedrichstraße. Vielleicht sollte ich mal zum Prenzelberg?
    Meine Recherche geht eh oft dort vonstatten, weil ich ja auch immer Läden aufsuche und mögliche Lieferanten für meinen Shop.
    Aber ich geh auch gern in die Komische Oper und die ist von Mitte aus super zu Fuß erreichbar…
    Eine schöne Woche wünsch ich Dir
    Sieglinde

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.