Leben

Nachts im Museum

In Frankfurt findet Samstagnacht, am 23. April 2016, die große Nacht der Museen statt. Schon letzte Woche war ich kulturell unterwegs, als in Wiesbaden die „Kurze Nacht der Museen“ stattfand (naja, Nacht des Museums, weil… wieviele Museen gibt es in Wiesbaden? Deshalb hatten dort auch noch Kunst-Galerien bis in die Nacht geöffnet). Mei, manchmal wird man eben zu seinem Glück gezwungen. Oder wann warst Du zuletzt im Museum? So gerne gehe ich nämlich nicht in Ausstellungen. Bin ich dann aber dort, überrascht es mich, wie spannend heutzutage Ausstellungen konzipiert sind. Gar nicht verstaubt oder schulmeisterhaft, sondern inspirierend.

Eine wunderbare Sonderausstellung im Bereich der Naturwissenschaftlichen Sammlung des Museum Wiesbaden heißt: Ästhetik der Natur. Die Ausstellung schlägt eine Brücke zur Kunst-Sammlung im Haus und hat Farbe zum Thema: Farbe und Muster zur Tarnung. Die Schau präsentiert anhand von 5000 Objekten die weltweite Vielfalt der Tiere und Pflanzen und wie in der Natur mit Farbe und Muster umgegangen wird. Weiß wie Schnee oder Grün wie der Dschungel. Da steht sich plötzlich Storch und Zebra gegenüber, weil – sie tragen beide Schwarz-Weiss. Oder der quietschgrüne Laubfrosch sitzt einvernehmlich neben dem grünen Papagei. Wunderschön!

Nacht der Museen in Frankfurt

Wie gesagt, manchmal muss man zum Glück gezwungen werden – so auch in Frankfurt und Offenbach. Ganze 40 Museen in Frankfurt haben bis etwa 2 Uhr morgens geöffnet. Und was für welche: Ledermuseum, Kindermuseum, sogar ein Struwwelpeter-Museum gibt es. Das Ticket für die Nacht kostet 14 Euro und zur Stärkung zwischendurch gibt es Getränke und hier und da spielt Musik. An manchen Orten stehen auch Food Trucks. Ein wahres Happeining also, dass die komplette Innenstadt abdeckt. Die entlegeneren Orte, z. B. das Stadtmuseum Offenbach, erreicht man mit dem Shuttle. Klasse Sache! Hier der Link zum Programm: NDM_Programmheft_2016

Schirn Frankfurt

Die Miro-Ausstellung in der Schirn in Frankfurt läuft schon länger und geht noch bis zum 12. Juni 2016. Gezeigt werden die großformatigen Kunstwerke von Miro, die Wandbilder. Die kleinen Bilder kennen wir schon eher, die hatten wir schon mal als Posterdruck in der Studentenwohnung hängen. Aber Miro dachte in großem Maßstab und liebte außerdem die unterschiedlichen Strukturen: Fliesen, verputzte Wände, Teerpappe oder Sackleinen als Maluntergrund.

# MIROMIRO

Zugegeben, so ganz verstanden hatte ich die minimalistischen Bilder von Miro ja nie. Lange fand ich seine Bilder auch irgendwie total Achtziger. Umso mehr war ich dann überrascht über diese Ausstellung und ich entdeckte diesen Miro als sehr modern und innovativ. Wow! Was ein Miro! Seine übergroßen Wandbilder sind beeindruckend und zeigen: Er war seiner Zeit absolut voraus. Er setzte neue Maßstäbe in Sachen Malerei. Er wollte Neues und reduzierte die Bildmotive extremst. Für Anfang des 20. Jahrhundert, also etwa 1927, glich das einer Revolte. Später setzte er den Fokus auf Farbe. Der Betrachter durfte sich sein eigenes Bild machen. Träumen in Strukturen und in grenzenlosem Blau.

Grenzenloses Blau

So blau wie der Himmel oder das Meer oder der Pool? Miro war nicht der Einzige, der mit großflächigen Farbflächen verzaubert. Auch Yves Klein oder Rothko sind der Farbe verfallen. Monochrome Bilder waren damals der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Unbedingt hingehn und staunen!

Auch die Kleinen (Kinder von 3 bis 8 Jahren) können in der Schirn staunen, denn es gibt die Mini-Schirn. Ein besonderes Angebot innerhalb des Museums für die kleinsten Museum-Besucher, während die Großen die Ausstellung anschauen.

Hoch hinaus!

Neben Kunst in den vielen Museen ist ein weiteres Hightlight in dieser Nacht die Besichtigung des Henninger Turm. Wer kennt ihn nicht, den Henniger Turm, das neue, alte Wahrzeichen in Frankfurt. Derzeit wird er umgebaut und nun hat man die einmalige Gelegenheit, ihn im Rohbau zu begehen! Mit dem Bauaufzug geht es in den 29. Stock, von wo man über fast die ganze Stadt blicken kann. Wer braucht da noch Burj Khalifa Dubai? Pah. Die Hessen kommen!

Also, Regenschirm und gute Laune einpacken – Frankfurter Nächte sind lang!