Reisen

Knigge in the air

Bei Nachflügen transformiert ein Flugzeug zum großen Schlafsaal. International, Männer und Frauen gemischt, dabei trotzdem schön ordentlich getrennt jeder auf seinem zugewiesenen Sitzplatz, der dann doch zu eng ist, um wirklich Privatsphäre zu haben. Beim Nachtflug wird kurz nach dem Start die Bettruhe eingeläutet, wie damals in der Jugendherberge. Wie damals halten sich manche nicht daran und es wird gequatscht, gelesen, manche schauen TV oder spielen bzw. arbeiten mit dem Computer.

Was sagt Knigge dazu? Muss man sich an die verordnete Schlafenszeit halten? Welche Regeln gelten „up-in-the-air“? Welche Uhrzeit ist überhaupt ausschlaggebend, wenn Bettruhe angeordnet wird? Vielleicht bin ich ja eine Eule und mache lieber die Nacht zum Tag? Vielleicht will ich noch einen letzten Drink nehmen statt zu dösen?

Auch nervig: Schnarchende Sitznachbarn. Was sagt Knigge dazu? Darf man den Schnarcher wecken, stupsen, um Ruhe bitten? Ist das Aufgabe der Stewardess, für Ruhe im Flieger zu sorgen? Aber was heißt schon Ruhe? Ist ein quengelndes Kind Lärm oder Musik in den Ohren? Also ich sag mal so: Manchmal muss man sein Lebensglück einfach selbst in die Hand nehmen… (heißt: Schnarcher wecken, weil ein schnarchender Sitznachbar – das geht gar nicht!).

Auch interessant – wem gehört eigentlich die Armlehne? Sitzt man zwischen Frauen ist das Thema ziemlich klar: Die Armlehne dient dazu, die Körper voneinander zu trennen und Berührung zu vermeiden. Heißt im Klartext: Armlehne bleibt leer.
Sitzt ein Mann nebendran (der weder schwul noch metrosexuell ist), dann ist ziemlich klar:“Baby, DEINE Armlehne gehört mir! Distanzzone? Kenn ich nicht. Widerstand zwecklos.“

Jetzt hat man mehrere Möglichkeiten: Spielchen spielen („Typ, mach Dich dünne. Mein Platz! Meine Armlehne!“) oder Gelassenheit. Das muss man je nach Laune selbst entscheiden. Grundsätzlich halte ich Distanzzonen im Zwischenmenschlichen für sehr wichtig und es hat etwas von Respekt, diese zu achten. Seit ich viel Yoga mache, reicht es mir zum Glück auch schon, innerlich Distanz zu schaffen – denn leider kann man sich seine Mitreisenden ja nicht immer aussuchen.

Und wie haltet ihr das so? Bin auf weitere Anregungen gespannt!

P.S. In BILD wurde kürzlich auch beschrieben, wer so alles statistisch gesehen mit im Flieger sitzt… da darf man nicht weiter drüber nachdenken, sonst will man nur noch First oder eher gar nicht mehr fliegen.

Foto: Pixabay