Leben

Ist die Kinderfrage okay?

Auf Brigitte Online wird derzeit diskutiert, ob die Kinder-Frage okay ist. Darf man kinderlose Paare fragen, ob und warum sie keine Kinder haben? Und wenn ja, welche Fragen sind okay?

Ist Kinderlosigkeit etwa eine ansteckende Krankheit? Warum sollte man dieses Thema nicht ansprechen dürfen? Für mich sind persönliche Fragen ein Zeichen von Interesse und deshalb dürfen solche Fragen gestellt werden: Verheiratet oder nicht, liiert oder nicht, berufstätig oder nicht? Sowieso und nebenbei bemerkt, es sind ja eher die Männer, die sich lange vor dem Thema Kinder drücken. Wie schön, als nun kürzlich Herr Klitschko, als frisch gebackener Papa, über sein neues Leben mit Kind sprach und dass er nun so viele neue Erfahrungen mache etc. pp. Toll und rührend zugleich. Danke, Herr Klitschko!

Warum nicht darüber sprechen?

Nun, ich habe keine Kinder. Das hat sich halt so ergeben. Zuerst war ich beschäftigt mit Selbstverwirklichung und als dann alles perfekt passen wollte, war’s irgendwie doch zu spät. Schlimm? Nein!

Jede Entscheidung passt zu meinem Leben

Das ist so im Leben und mit den Entscheidungen. Denn jede Entscheidung hat natürlich Auswirkung auf später. Genauso wie ich erst auf Umwegen zum Abitur kam und dann doch das Design-Studium kurz vor der Zielgeraden hingeschmissen habe und ohne Abschluss weiterzog. Oder die vielen Umzüge von da nach da und dann nach da und dann nach dahin. Das macht mein Leben aus und ich find’s großartig.

Machen Kinder ein erfülltes Leben?

Die Unterschiede machen die Menschen doch erst richtig spannend. Ich liebe Kinder und ich frage mich auch manchmal, wie mein Leben mit Kindern aussähe. Nun habe ich aber keine, trotzdem ist mein Leben ausgefüllt und glücklich. In unserer Gesellschaft wird „Familie“ gerne mit „erfülltem Lebensglück“ gleichgesetzt. Keine Ahnung, kann ich nicht nachvollziehen. Richtig ist jedoch, dass man sich ohne Kinder aktiv um ein erfülltes Leben kümmern muss, denn während Eltern lange Jahre damit beschäftigt sind, die Kinder zu versorgen, zu kümmern und zu betreuen, haben kinderlose Paare sehr viel Freizeit – die es zu füllen gilt. Denn sonst fühlt sich frau tatsächlich schnell mal leer und unerfüllt und wünscht sich dann mit aller Gewalt ein Kind ins Haus. Nichts für mich.

Fragen zu stellen ist doch wichtig. Natürlich sind Kinder und das Leben ein Thema, das wir ansprechen sollten, denn es betrifft uns alle. Es betrifft unsere Gesellschaft. Also Leute, fragt – denn auch ein Leben ohne Kinder ist großartig, mindestens genauso großartig wie mit Kindern oder mit Stiefkindern oder mit Patenkindern oder Adoptivkindern oder Enkelkindern.

P.S. Das Bild hat übrigens meine Nichte gemalt. Love it!

P.P.S: Ja, auch ich zahle den Kinderlosenzuschlag – obwohl ich dieses Gesetz unglaublich finde. Einen Krippenplatz in Wiesbaden für monatlich 600 Euro finde ich aber noch viel unglaublicher. Echt kinderfreundlich bei uns im Abendland…

6 Kommentare

  1. Ach, wie nett. Danke Dir für Deine Sicht der Dinge. Ja, es gibt so viele unterschiedliche Lebensmodelle und die Menschen dazu..es gibt also auch keine Regel – außer ein großes Herz und viel Toleranz.

    Viele liebe Grüße nach Bavaria, Bärbel

  2. Ein tolles Thema liebe Bärbel und ich finde es super, wie Du es angegangen bist… Weil das ganze „Dings“ ist schwer besetzt… Es kommt immer ganz darauf an, wer einem diese Frage stellt. Wenn man selbst Kinder hat, dann ist das eine absolute Tabufrage… aber ich habe schon oft die Erfahrung gemacht, dass manche kinderlose Frau – auch ohne nachzufragen – sofort in den Rechtfertigungsmodus schaltet. Grundlos – wie ich finde… es gibt einfach sooo unterschiedliche Menschen und mindestens genauso viele unterschiedliche Lebensmodelle… und jedes hat wohl seine Berechtigung. Ich finde, wir sollten toleranter sein… öfter… beide Seiten. Ganz lieber Gruß – Conny

  3. … schön, von Dir eine so offene Antwort zu erhalten. Ich bin tatsächlich etwas überrascht geworden, über die unterschiedliche Resonanz meines Beitrags. Im Job, im Büro bei uns ist das eine ganz normale Frage und das Verhältnis von Frauen mit und ohne ist gleich. Unter uns Kolleginnen ist die Frage ähnlich alltäglich, wie nach der Marke des Autos die man fährt oder wohin es in Urlaub geht. Lieben Dank für Deinen Kommentar und herzliche Grüße in den Norden!

  4. Die Kinderfrage finde ich absolut passend unter Menschen, die sich nahe stehen. Die Entscheidung ist intim, die Auswirkungen betreffen aber auch das Umfeld. Ich habe keine Kinder, weil ich keine will. Als ich welche wollte, wollte mein Körper nicht. Und dann wurde mir klar, dass mein Geist auch nicht will. Ich bin so heilfroh, keine zu haben. Ich bin zur Tante und nicht zur Mutter geboren.

  5. ich finde diese Frage auch nicht gut, Bärbel. sie führt nämlich meist dazu, dass ich mich vor wildfremden Menschen für mein Leben rechtfertigen muss. und ich meine, das kann niemand von mir verlangen.

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