Style

Grüne Mode auf der Innatex

Ich glaube an das Gute und dass man auch im Kleinen für Frieden und ein gutes Miteinander aktiv sein kann. Das fängt schon morgens am Kleiderschrank an.

Genau, Stichwort Grüne Mode. Auf der grünen Modemesse INNATEX im Rhein-Main-Gebiet konnte ich mich davon wieder überzeugen, dass es tolle Designs, Farben und Innovationen gibt – und eben trotzem faire Löhne bei der Herstellung bezahlt werden, Bio-Baumwolle verarbeitet und bei der Verarbeitung wenig bis gar keine Chemie verwendet wurde.

Das möchte ich jetzt bitte überall so kaufen können, liebe Mode-Einkäufer! Auf der Berliner #MBFW war ich dieses Jahr nicht, umso schöner, wenn die Mode ein Heimspiel wagt und im ländlichen Hofheim plötzlich internationale Mode präsentiert wird. Schon seit einigen Jahren findet die INNATEX statt, immer zum Saisonwechsel, damit die Einkäufer (u.a. Hess Natur) uns die innovativen Kollektionen auf den Ladentisch bringen können: Von Accessoires über feines Leder bis hin zur Unterwäsche.

Yogamode

Die vielen bunten Labels bringen große Mode raus: Über die sexy Jeansmarke Sey habe ich bereits vor Jahren berichtet, denn nicht nur TV-Moderatorinnen schlüpfen gerne in diese feinen Jeans-Teile, die die weibliche Silhouette gut zur Geltung bringen. Wunderschön weiblich auch die Mode von NIX aus Berlin.

Besonders spannend fand ich dieses Jahr die Sport-Mode und die zarte  Lingerie, die ich bei den Newcomern, den sogenannten Design Discoveries entdeckte: Maathai Organic. Oder die Wäsche aus fair produzierter, feinster südamerikanischer Baumwolle von Dhara Natura ist ein Traum! Oder die Basic Shirts von Avour. Auch ein Wäschelabel für Männer-Wäsche stellte sich vor: Erbgut. Denn wusstet ihr, dass die Chemie in der Wäsche teilweise so stark ausdünstet, dass es unser Erbgut belastet?

Avour

Innatex Modemesse

Für mich als Yoga-Lover ist die Yoga-Mode von nice-to-meet-me einfach wunderbar und genau mein Ding. Auch diese sportlichen Modelle gibt’s für Männer und für Frauen, außerdem ist alles ökologisch und fair produziert und für jedermann im Online-Shop erhältlich.

Wer für kleine Kinder süße Kleider und Spielsachen sucht, wird bei dem Frankfurter Label Sense fündig. Also öko ist schon lange nicht mehr öde! Hier geht’s zur Aussteller-Liste.

Beeindruckend war die Rede von der bekannten Bloggerin Kirsten Brodde, die ich schon mal bei „Hart aber fair“ gesehen hatte und nun bei Greenpeace mitarbeitet. Mensch, die Frau hat Ahnung! Toll, dass es solche Aktivisten gibt.

Das Rahmenprogramm auf der Innatex war wie immer großartig und ich hatte Gelegenheit zu vielen interessanten Gesprächen bei lecker Bio-Eis von DasEis (aus Wiesbaden) und traf auf andere „grüne“ Mode-Blogger wie die Berlinerinnen von aethic oder Vreni von Jäckle&Hösle mit ihrem wunderschönen Mode Blog über Vintage-Mode und so und dann noch Hindi von DailyRewind. So cool!

Das Grauen der Modeherstellung

Spätestens seit dem Einsturz der Nähfabrik in Bangladesch mit vielen Toten und den darauffolgenden Medienberichten wissen wir: Die Herstellung von Mode ist meist nicht sehr glamourös. Mode, die wöchentlich mit neuen Trends daherkommt, fördert asoziale Produktionsbedingungen. Denn je nach Trend oder Auftragslage werden Näher angeheuert oder gefeuert. Damit kann man keine Familie ernähren! Solche Methoden machen Menschen kaputt.

Nachzulesen in dem Kapitel über Produktionsbedingungen im Buch Frauen und Kleider – Was wir tragen, was wir sind . In bewegenden Interviews mit Textilarbeitern in Kambodscha wird dargelegt, welchen Einfluss unsere Art mit Kleidung umzugehen, auf das Leben der Menschen in den Produktionsländern hat. Die Autorin Sheila Heti spricht mit der Menschenrechtsjournalistin Mac McClelland, die unter anderem über die Arbeitsbedingungen bei Abercrombie recherchierte. Sie erzählt: Sie machen “Echtzeit-Updating”, die Software sagt ihnen: Wir haben so und so viele Bestellungen zu erledigen, und bestellen die Arbeiter Tag für Tag ein. Hm… so wollte ich nicht arbeiten.

Slow Fashion

Wir, die Verbraucher, machen den Markt. Deshalb sage ich auch als Stilberaterin: Kauft langlebige Mode! Das sind gut verarbeitete Basics aus gutem Material. Mode, die uns begleitet und nicht „dressed for the moment“. Damit spart man langfristig Geld, es ist zudem ökologischer und es ist dafür ist keine verrückte, menschenunwürdige Produktion  notwendig.

Gute Mode ist grün

Die beim Herstellungsprozess verwendete Chemie landet in unseren Gewässern und damit in unsere Nahrung. Auch wenn es am anderen Ende der Welt passiert: Die Männer und Frauen, die unsere Jeans mit einem coolen Used-Look versehen oder schöne bunte Kleidchen färben, haben häufig unter extremen Vergiftungen zu leiden – das kann man nicht mit gutem Gewissen verantworten. Aber auch die Trägerin kann leiden, nämlich an Allergien, die durch das Tragen der belasteten Stoffe auf der Haut entstehen. Besonders bei Schuhe und Wäsche ist das ein Problem.

Fair fashion

Nun bin ich nicht bis über beide Ohren grün, aber ich bevorzuge inzwischen gute und langlebige Qualität und eben gerne auch ökologisch zertifiziert. Einfach, weil das auch gut für mich ist. Weil gesünder, weil für die Umwelt gesünder, aber auch für meine Nerven, weil, mein Lieblingskleid soll mich wenigstens ein paar Sommer begleiten, denn ich habe weder Nerven noch Zeit, jede Saison neue Klamotten anzuschaffen. Für meine Finanzen ist es auch besser, denn langlebige Mode schont auch meine finanziellen Ressourcen. Noch Fragen?

Mit grüner Mode wird die Welt ein bisschen bunter und schöner!

 P.S.: Die Innatex-Modemesse für Fachbesucher geht noch bis 1. August in Hofheim-Wallau zwischen Frankfurt und Wiesbaden. Die nächste findet dann im Januar 2017 statt. See you!
PPS: Weiterlesen zu diesem Thema kann man in dem Buch von Kirsten Brodde mit dem Titel „Saubere Sachen“.